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Landwirte in Sorge um die Ernte von Getreide und Raps

Landwirte in Sorge um die Ernte von Getreide und Raps
Bauern in Niedersachsen kämpfen mit Regen – Hoffnung macht die aktuelle Wetterprognose
Von Elisabeth Woldt
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Hannover.
Der viele Regen in diesem Sommer bedroht die Getreideernte im Land. „In den vergangenen Wochen haben wir in ganz Niedersachsen regionale Schauer erlebt, die teilweise sehr kräftig ausfielen“, berichtet Christopher Hanraets, Sprecher der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Die Folge: Landwirte müssen immer wieder Erntepausen einlegen – mit Folgen für Qualität und Wirtschaftlichkeit.

Die Ernte kommt insgesamt nur schleppend voran. Besonders betroffen sind derzeit Winterraps, Winterweizen, Roggen, Triticale und Braugerste. „Die Landwirte müssen häufig prüfen, ob das Getreide schon die Qualitätskriterien für die Feuchtigkeit erreicht hat. Lange Dreschtage von mittags bis spät in die Nacht sind daher zurzeit die Ausnahme“, sagt Hanraets. Alle Bestände seien zwar erntereif, doch jeder weitere Schauer könne sich nun nachteilig auf die Qualität auswirken.

Bereits 2023 fiel die Ernte in weiten Teilen ins Wasser. Damals keimten die Körner teils bereits auf dem Halm – ein sogenannter Auswuchs. So weit sei es in diesem Jahr noch nicht, sagt Hanraets, aber: „Wenn das Wetter in den nächsten sieben bis zehn Tagen so bleibt, ist mit deutlichen Qualitätseinbußen zu rechnen. Die Situation ist noch nicht schlimm, aber durchaus angespannt.“

Auch das Landvolk Niedersachsen zeigt sich besorgt. „Nasses Getreide und in der weiteren Folge sogar Auswuchs senkt die Qualität vom Weizen enorm“, erklärt Sprecherin Wiebke Molsen. Fallzahlen und Eiweißgehalte, die über die Backqualität entscheiden, litten unter der Feuchtigkeit. „Sinken die Fallzahlen und Klebergehalte, lassen sich kein Brot und andere Backwaren mehr aus dem Mehl backen, weil der Teig nicht mehr aufgeht.“ Dann bleibe nur noch die Nutzung als Futtergetreide – mit erheblichen wirtschaftlichen Einbußen für die Betriebe.

Zudem sei feuchtes Getreide nicht lagerfähig, warnt die Sprecherin. Es müsse vor der Einlagerung getrocknet werden, was energie- und kostenintensiv sei. Pilzbefall drohe auf dem Feld, bislang seien die Körner allerdings dank der Spelzen noch gut geschützt.

Bis Ende Juli waren in Niedersachsen laut Informationen des Landvolks erst 16 Prozent des Winterweizens geerntet und 45 Prozent des Winterraps’. Das ist deutlich weniger als sonst zu diesem Zeitpunkt üblich.

Hoffnung macht die aktuelle Prognose mit einer stabilen Wetterlage: In den kommenden Tagen soll es trockener und wärmer werden. „Wir wollen nicht schwarzmalen und optimistisch bleiben“, sagt Molsen.

Denn klar ist: „Die Qualität unserer Ernte steht und fällt in diesem Jahr mit dem Wetter der kommenden Tage“, sagt Landwirt Konrad Westphale aus Ottbergen bei Hildesheim gegenüber dem Landvolk-Pressedienst.