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Nordkreis

Die neuen Wirte auf dem Wilhelmstein

Die neuen Wirte auf dem Wilhelmstein
Neustädter Gastronom Björn Penno und seine Partnerin Hannah Darwiche erhalten Zuschlag. Mitbewerber Peter Dombrowski geht leer aus.
Von Simon Polreich
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Steinhude.
Dringend wurden neue Gastronomen per Ausschreibung gesucht – und sie sind es geworden: Björn Penno und seine Partnerin Hannah Darwiche sind die künftigen Wirte auf der Insel Wilhelmstein im Steinhuder Meer. Beide übernehmen den Betrieb von Dennis Karle und Tom Weppler, die sich Ende des Jahres 2025 von der Insel zurückziehen und sich mehr auf ihre Hotels auf dem „Festland“ in Steinhude konzentrieren wollen.

Penno und Darwiche dürften Anrainern und Kennern des Steinhuder Meeres keine Unbekannten sein. Sie betreiben seit Jahren das „Dein Jedermanns“ in Neustadt und haben 2021 auch die Gastronomie auf den Ausflugsschiffen auf dem Steinhuder Meer übernommen. Mit Streetfood-Ständen sind beide zudem bei Großveranstaltungen in Steinhude immer wieder vertreten. Zuletzt hatten sie noch die Gaststätte auf dem Vereinsgelände des Segler-Vereins Großenheidorn betrieben.

Und nun also auch den Wilhelmstein. Der Pachtvertrag, unterschrieben am Mittwoch, 12. November, gilt bis Ende 2030 und beinhaltet laut Ausschreibung der Steinhuder Meer Tourismus GmbH (SMT) die Verpachtung des Beherbergungsbetriebes und Hotels „Inselresort“ samt Gastronomie, bestehend aus Inselgasthaus, Restaurant, Clubhaus und Veranstaltungsaußenflächen.

„Wir wollen die Insel wieder bodenständiger und vor allem auch familienfreundlicher machen“, verrät Penno. Genau diese Ansätze waren es laut SMT-Geschäftsführer Willi Rehbock, die den Aufsichtsrat vom Konzept überzeugt hätten.

Das Wirtshaus der Insel haben beide bereits „Wilhelm 1724“ getauft, in Anlehnung an das Geburtsjahr des Inselerbauers Graf Wilhelm zu Schaumburg-Lippe. „Fine Dining gibt es dort auch“, kündigt der Gastronom an, „aber vor allem auch etwas Bodenständiges auf die Hand.“ Penno zählt auf: Fischbrötchen, Currywurst, Schnitzel und Pommes. „Zudem auch vegane und glutenfreie Speisen.“

Mit der Berufsschifffahrt will er sich besser abstimmen – enge Kontakte gibt es bereits. „Ziel ist, dass die Dampfer hier häufiger anlegen und Busgesellschaften bringen, die auf der Insel wieder Apfelkuchen mit Schlagsahne bekommen“, so Pennos Konzept. „Das gab es in der Vergangenheit nicht ganz so oft.“

Mehr für Kinder auf der Insel

Und kinderfreundlicher soll die Insel werden, so die neuen Pächter, die selbst junge Eltern sind. „Die Fahrt mit dem Auswanderer und der Besuch in der Festung der Insel mit seinen alten Waffen sind ja schon Abenteuer, aber viel mehr gibt es dann nicht“, das sei ihnen aufgefallen. Eine Inselrallye mit Urkunde und eine große Truhe mit Spielsachen für die Inselwiese, Federball und Wikingerschach sind erste Maßnahmen gegen Kinderlangeweile.

Für die Großen will Penno ein eigenes „Inselbier“ kreieren. Eine Brauerei aus Bayreuth sei dafür schon ausgesucht. „Das gibt es dann nur hier auf der Insel und auf den Schiffen des Steinhuder Meers.“

Weiterhin wird das als „Inselresort“ bekannte Hotel betrieben. Nicht nur den Übernachtungsgästen wollen Penno und Darwiche aber künftig Frühstück anbieten, sondern auch den frühen Tagesbesuchern einen Inselbrunch auftischen.

Die Details will das Pächterpaar in den kommenden Monaten der Winterpause ausarbeiten, bevor die Saison im März 2026 wieder startet. Klar ist aber jetzt schon, dass man sich wieder von dem Vorgänger-Konzept entfernt, das eher auf exklusive und besondere Küche mit portugiesischem Einschlag gesetzt hatte.

Deshalb geben die Noch-Pächter auf

Die Noch-Pächter Dennis Karle und Tom Weppler beglückwünschen Penno. „Er ist die richtige Wahl“, sind sie sicher. Für Karle und Weppler geht Ende 2025 ein mitunter schönes, aber auch schweres Kapitel zu Ende. Aufgrund von Corona und des Ukraine-Kriegs seien die Preise in ihrer Pachtzeit in allen Bereichen um 20 bis 30 Prozent gestiegen, erklärte Inselwirt Karle auf Nachfrage den Grund für das Aus. Auf der Insel mache sich das zusätzlich bemerkbar, weil alles hin- und wieder zurücktransportiert werden müsse. Ein großer Zeit- und damit Kostenfaktor sei das, sagte Karle.

Diese Kosten auf die Besucher umzulegen, funktionierte nicht. „Wir wollten mit unserem kulinarischen Angebot einen Mehrwert schaffen“, so der Gastronom. Weckgläser mit Couscous-Salat, geräucherte Forelle auf Kartoffelsalat, Antipasti oder italienischen Nudelsalat gab es für Tagesbesucher. Doch das habe nicht den Geschmack getroffen. Die meisten Gäste wollten nach dem Kauf von Parkticket und Überfahrt eher wenig Geld ausgeben, hatten Appetit auf günstigere Imbisskost. „Da hat uns die wirtschaftliche Entwicklung einen Streich gespielt“, gibt Karle zu.

Im Juni hatten Karle und Weppler angekündigt, den Pachtvertrag nicht zu verlängern, er läuft Ende 2025 aus. Die SMT hatte Ende September die Inselgastronomie daraufhin neu ausgeschrieben.

Laut SMT-Geschäftsführer Willi Rehbock waren fünf Interessenten bei zwei Vorstellungsterminen auf der Insel, darunter auch der am Steinhuder Meer bekannte Peter Dombrowski. Er hatte in Steinhude schon mehrere Gastronomien, darunter die „Sunsetlounge“, die er im November 2024 aber aufgab. Die Gastronomie auf der Insel Wilhelmstein hatte Dombrowski übergangsweise von 2019 bis 2021 übernommen, als die langjährigen Betreiber noch während der Pachtzeit aufhörten. 2021 wählte die SMT dann aber Weppler und Karle als neue Gastronomen aus.

Dombrowski hatte sich im Oktober mit einem Facebook-Video auf öffentlich ins Spiel gebracht. Es zeigt ihn auf der Insel, wo er nach eigener Aussagen herausfinden will, „ob es sich noch gut anfühlt“. Im weiteren Verlauf des Filmchens ertönt Musik, zu der Dombrowski zu tanzen beginnt. „Doch, auf jeden Fall“, so der zunehmend gelöste Gastwirt über sein „Gefühl“. „Das ist doch wie früher“, ruft er seinen Zuschauern in Erinnerung an seine frühere Zeit auf der Insel zu.

Viel Support bekam Dombrowski in den Facebook-Kommentaren zu seinem Post. Doch eine Bewerbung ging bei der SMT letztlich doch nicht ein. Dombrowski, der mit Penno freundschaftlich verbunden ist, sagte auf Nachfrage dieser Redaktion: „Ich freue mich für Björn. Er ist die vernünftigste und wirklich beste Wahl“, lobt er. „Das wird sich positiv auswirken auf die Insel und auf die ganze Region am Steinhuder Meer.“

Er lege die Insel für sich aber endgültig ad acta. „Ich werde nächstes Jahr 60.“ Penno habe noch viel vor sich – „und auch viel mehr Wumms“, sag Dombrowski. „Ich freue mich auf die Zeit als Gast auf der Insel!“